Evo Morales: Verstaatlichung vom Repsol-Tochter und Stromversorger in Lateinamerika zwingt Spaniens Wirtschaft in die Grenzen des Anstandes zurück

„Gespenst der Enteignung“ geht um

Erst Argentinien, dann Bolivien: Mit der Verstaatlichung der Repsol-Tochter YPF und einem Stromversorger verlor Spaniens Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit zwei wichtige Investitionstätigkeiten in Lateinamerika.

„In Lateinamerika scheint es einen Dominoeffekt der Verstaatlichungen zu geben“, urteilt bereits die Wirtschaftszeitung „Financial Times“.

Armee besetzt Zentrale des Stromversorgers TDE

Armee besetzt Zentrale des Stromversorgers TDE

Erst vor zwei Wochen erzürnte Argentinien die ehemalige Kolonialmacht mit der Verstaatlichung von Betrieben des Ölkonzerns Repsol.

Nun ließ der bolivianische Präsident Evo Morales von der Armee die Zentrale des Stromversorgers TDE in Cochabamba besetzen, um die Tochter des spanischen Stromkonzerns Red Electrica zu enteignen.

Auch Venezuela und Ecuador haben in den vergangenen Jahren Energievorkommen wieder unter die Kontrolle des Staates gebracht.

Bolivien enteignet spanischen Energiekonzern

Bolivien enteignet spanischen Energiekonzern

Für Spanien ist das eine gefährliche Entwicklung.

Das Land ist, wie die Regierung immer wieder betont, nach den USA der zweitgrößte Investor in Lateinamerika. Spanische Firmen gaben in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 140 Mrd. Euro für ihre Niederlassungen in den ehemaligen Kolonien aus.

Boliviens Präsident Morales setzt die Verstaatlichungen fort - Electropaz Bolivien

Boliviens Präsident Morales setzt die Verstaatlichungen fort – Electropaz Bolivien

Transportadora de Electricidad (TDE) habe nicht in Bolivien investiert, erklärte Evo Morales in einer Fernsehansprache. Zu Ehren des Volkes werde der Konzern deshalb verstaatlicht.

„Bolivien braucht Partner, aber keine Besitzer.“

Argentinien hat sein Vorgehen gegen Repsol ganz ähnlich begründet. Evo Morales hat in den vergangenen Jahren wiederholt zum 1. Mai die Verstaatlichung von Unternehmen angeordnet.

Zahlreiche spanische Konzerne wie die Großbanken Santander und BBVA, der Telekom-Riese Telefonica sowie die Energiekonzerne Iberdrola und Endesa erzielen beträchtliche Teile ihrer Gewinne in Lateinamerika.

Die Enteignungen, die vor allem innenpolitisch motiviert sind, treffen Spanien in einem besonders heiklen Moment: Die heimische Wirtschaft ist angeschlagen und hat mit der Schuldenkrise und einer Rekordarbeitslosigkeit zu kämpfen. Das Land schlitterte erneut in die Rezession.

Als der linksgerichtete Evo Morales die Tochter des spanischen Stromnetzbetreibers Red Electrica verstaatlichen und den Firmensitz von Soldaten besetzen ließ, war die Madrider Regierung um Gelassenheit bemüht. Sie spielte die Enteignung nach Kräften herunter. Die betroffene Firma sei wirtschaftlich wenig bedeutend, hieß es in Madrid. Zudem habe Morales eine Entschädigung zugesagt.

Viele Spanier sehen das anders und betrachten die Verstaatlichungen als ein Zeichen der Schwäche ihres Landes.

Evo Morales' inauguration as President

Evo Morales‘ inauguration as President (Photo credit: Wikipedia)

„Die Regierung will die Angelegenheit entdramatisieren, weil sie es nicht ertragen kann, dass sie zweimal in kurzer Zeit auf internationalem Parkett der Lächerlichkeit preisgegeben wurde“, so der Kolumnist Josep Ramoneda. Die Wirtschaftszeitung „Expansion“ warnt: „Das Gespenst der Enteignung schwebt über den spanischen Unternehmen. Ein gefährlicher Interventionismus in Lateinamerika bedroht die Investitionen.“

Argentinien und Bolivien hielten den Spaniern auf schmerzhafte Weise vor Augen, daß die Staaten in Lateinamerika ihren Respekt vor der einstigen Kolonialmacht abgelegt haben und Spanien in der Weltpolitik über wenig Einfluß verfügt.

Daran dürfte sich vorerst wenig ändern. „Wenn man bei Innovationen und Bildung spart, wird es schwer sein, in der Weltpolitik ein Wörtchen mitzureden“, so Ramoneda. Die Krise trieb nicht nur die spanische Wirtschaft in die Rezession und Millionen von Spaniern in die Arbeitslosigkeit, sondern kratzte auch das Image des Landes an. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy stellte das Nachbarland gar mehrfach als ein abschreckendes Beispiel dar. „Wir wollen nicht so dastehen wie unsere spanischen Freunde“, sagte der Staatschef im Wahlkampf.

Evo Morales two years

Evo Morales two years (Photo credit: Wikipedia)

Anders beurteilt der Analyst Alberto Ramos, der für Goldman Sachs Lateinamerika im Blick hat, die Situation: Er erwartet trotz der jüngsten Aktionen keine Verstaatlichungswelle. Der Schritt Boliviens und die Enteignung in Argentinien seien zwar Entwicklungen, die die ausländischen und heimischen Investoren beunruhigten, erklärte er. „Aber glücklicherweise ist diese Art von Ereignissen beschränkt auf eine kleine Zahl von Ländern in der Region, die in einem Irrglauben wirtschaftliche Experimente verfolgen und immer weniger in die Weltwirtschaft integriert sind.“

Bolivien enteignet spanischen Energiekonzern
Bolivianische Regierung enteignet vier Tochterunternehmen des spanischen Energiekonzerns Iberdrola

Die bolivianische Regierung hat vier Tochterunternehmen des spanischen Energiekonzerns Iberdrola verstaatlicht. Der Staat übernehme die Netzbetreiber Electropaz und Elfeo sowie die Investment- und die Dienstleistungssparte des Unternehmens in Bolivien, teilte Präsident Evo Morales am Samstag mit.

Evo Morales et José Bové in Pau on 2002 during...

Evo Morales et José Bové in Pau on 2002 during the culturAmérica. (Photo credit: Wikipedia)

Evo Morales sei zu dem Schritt gezwungen gewesen, um die Strompreise in den Regionen La Paz und Oruro stabil zu halten. Soldaten bezogen vor den Firmengeländen der Unternehmen Stellung und hängten Schilder mit der Aufschrift „Verstaatlicht“ auf. Evo Morales kündigte an, nach der Bewertung der Tochterunternehmen werde Iberdrola angemessen entschädigt.

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