Warum sprechen Sie nicht die Sprache Ihrer Aufseher Jiddisch?

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Photo credit: Wolfgang Staudt)

DEUTSCH ist die Sprache der Sklaven.

Denn es heißt: die Reichen leben von den Dummen, und die Dummen leben von der Arbeit – und die Dummen sterben nie aus.

Deutsch ist die Sklavensprache.

Vielleicht haben Sie Glück, und Ihr Gehirn wurde nicht völlig betäubt. Manchmal werden nämlich die Neugeborenen vertauscht, und ein Arierkind gelangt in ein Körbchen von einer dummen Sklavenfrau. Dann kann der Moses nur hoffen, daß ihm eines Tages dämmert – ich bin in einer Sklavenfamilie gelandet…

Mittelhochdeutsch (Mhd.) bezeichnet im weiteren Sinn eine ältere Sprachstufe der deutschen Sprache, nämlich sämtliche hochdeutschen Varietäten etwa zwischen 1050 und 1350 (das entspricht ungefähr dem Hochmittelalter). Das Lexem „mittel-“ beschreibt also keine geografischen Sprachregionen, sondern betitelt die von der Neuzeit aus chronologisch mittlere der hochdeutschen Sprachformen. Im engeren Sinn bezeichnet Mittelhochdeutsch die Sprache der höfischen Literatur zur Zeit der Staufer. Für diese Sprache wurde im 19. Jahrhundert im Nachhinein eine vereinheitlichende Orthografie geschaffen, das normalisierte „Mittelhochdeutsch“, in dem seither viele Neuausgaben der alten Texte geschrieben werden. Wenn von Merkmalen des Mittelhochdeutschen die Rede ist, dann ist normalerweise diese Sprachform gemeint.

Die jiddische Sprache hat sich im Mittelalter im Zuge der meist durch christliche Verfolgungen bedingten Migrationen der Juden vom deutschsprachigen Gebiet aus in Europa verbreitet, besonders ostwärts nach Osteuropa, wo das Ostjiddisch entstand.[2] Mit den Auswanderungswellen von Millionen osteuropäischer Juden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert breitete sie sich dann westwärts aus und gelangte in die neuen jüdischen Zentren in Amerika und Westeuropa, später auch nach Israel.

The main synagogue in Kiryas Joel

The main synagogue in Kiryas Joel (Photo credit: Wikipedia)

Jiddisch war eine der drei jüdischen Sprachen der aschkenasischen Juden, neben dem weitestgehend der Schriftlichkeit vorbehaltenen Hebräisch und Aramäisch. Es wurde nicht nur als gesprochene, sondern auch als mit hebräischen Schriftzeichen geschriebene und gedruckte Alltagssprache verwendet.

Während das Westjiddisch bereits ab dem 18. Jahrhundert auszusterben begann, blieb das Ostjiddisch die Alltagssprache der Mehrheit der Juden in Osteuropa, bis der durch die Nationalsozialisten verübte Holocaust die jüdischen Zentren in Kontinentaleuropa vernichtete. Heute wird Jiddisch als Muttersprache noch von aus Osteuropa stammenden betagten Juden, von einer kleinen, aber regen Anzahl sog. Jiddischisten und ganz besonders von ultraorthodoxen aschkenasischen Juden gesprochen. Ihre Zahl wird auf über eine Million weltweit geschätzt.

In der mittelhochdeutschen Periode entwickelten sich im deutschen Sprachgebiet spezifisch jüdische Ausprägungen des Deutschen, die von Juden untereinander gesprochen und in der Regel mit einem dafür angepassten hebräischen Alphabet geschrieben wurden. Charakteristisch sind eine Vielzahl von Entlehnungen aus dem meist nachbiblischen Hebräischen und dem Aramäischen sowie in geringem Maße auch einige Entlehnungen aus dem Romanischen (Französisch, Italienisch und Spanisch).

Bedingt durch Judenfeindlichkeit und die Judenverfolgungen ab dem 11. Jahrhundert und besonders nach der Schwarzer Tod genannten großen Pest von 1348 kam es zur massenhaften Migration von Juden aus dem deutschen Sprachgebiet nach Osteuropa, besonders ins Königreich Polen und ins Großfürstentum Litauen, und in der Folge zu einer sprachlich getrennten Entwicklung: Das Jiddische im Westen entwickelte sich im Kontakt mit dem Deutschen weiter und glich sich ihm besonders im Zuge der Säkularisierung und Assimilation deutscher Juden seit dem 18. Jahrhundert weitgehend an, während das Jiddische im Osten den mittelalterlichen Stand des jüdischen Deutschen stärker bewahrte und sich hauptsächlich im Kontakt mit slawischen Sprachen durch Entlehnungen und durch Übernahme morphologischer und syntaktischer Elemente aus dem Slawischen weiterentwickelte. Man unterteilt das Jiddische deshalb in Westjiddisch und Ostjiddisch.

Bis ins frühe 18. Jahrhundert war es das Westjiddische, das für den jiddischen Buchdruck maßgeblich war. Im späten 18. Jahrhundert hatten jedoch die ostmitteleuropäischen Druckorte die westmitteleuropäischen abgelöst, und infolge dessen sowie wegen der fortgeschrittenen Assimilation der Juden Deutschlands setzte sich das Ostjiddische als neuer Standard der jiddischen Sprache durch. Im 19. Jahrhundert werden auch nicht-religiöse Publikationen immer häufiger, und es folgt eine bis zum Zweiten Weltkrieg andauernde Epoche, die oft als goldenes Zeitalter der jiddischen Literatur gewertet wird. Diese Periode trifft mit der Wiederbelebung des Hebräischen als gesprochene Sprache und der Wiedergeburt der hebräischen Literatur zusammen.

 

Jüdische Auswanderer an der deutsch-polnischen Grenze
Mit der Massenauswanderung nach Nordamerika und England im späten 19. Jahrhundert expandierte das Jiddische verstärkt in den englischen Sprachraum und wurde dementsprechend zunehmend durch Englisch als Kontaktsprache beeinflusst. Infolge der großen Anzahl jiddischsprachiger Einwanderer haben zahlreiche jiddische Wörter Eingang in den umgangssprachlichen Wortschatz des US-amerikanischen Englisch gefunden.

Jiddisch war eine der offiziellen Sprachen in der unabhängigen Ukrainischen Volksrepublik zwischen 1917–1920. Die Geschichte der Juden in der Sowjetunion war widersprüchlich. In den 1920ern und 1930ern war Jiddisch einige Jahre lang neben dem Russischen, Weißrussischen und Polnischen Staatssprache im sowjetischen Weißrussland. Einerseits betrieb die Sowjetunion zu Stalins Zeiten eine aktiv judenfeindliche Politik und verfolgte die jüdische Religion, das Bibelstudium, die zionistische Bewegung und die hebräische Sprache. Andererseits wurden jiddische Sprache und Literatur zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg offiziell gefördert. Zwischen 1918 und 1923 wurden unter der Führung des Kriegsveteranen Simon Dimantstein innerhalb der KPdSU jüdische Sektionen („Jewsekzija“) errichtet. Ihre Aufgabe war der Aufbau einer „jüdischen proletarischen Kultur“, die nach den Worten von Stalin „national in der Form und sozialistisch im Inhalt“ sein sollte. Es gab drei bedeutende jiddische Zeitungen: Emes („Wahrheit“, 1920–39 in Moskau), Shtern (1925–41 in der Ukraine) und Oktjabr („Oktober“, 1925–1941 in Weißrussland). Auch der Aufbau eines jiddischen Schulsystems wurde gefördert. 1932 besuchten 160.000 jüdische Kinder in der Sowjetunion eine jiddischsprachige Schule. Doch wegen des Mangels an höheren Ausbildungsmöglichkeiten in Jiddisch und der zunehmend minderheitenfeindlichen Politik Stalins wurden in den folgenden Jahren im ganzen Land diese Schulen geschlossen.

1925 wurde im damals polnischen Wilno das YIVO (Jidischer wißnschaftlecher inßtitut) als akademische Einrichtung zum Studium jiddischer und ostjüdischer Kultur eröffnet. Seit 1940 ist der Hauptsitz in New York; 1941 plünderten die Nazis den Sitz in Wilna. Auch in Kiew und Minsk wurden wissenschaftliche Institute zur Erforschung der jiddischen Sprache, Literatur und Kultur eingerichtet, welche ihre Arbeiten auf Jiddisch publizierten.

1928 wurde die Jüdische Autonome Oblast (Birobidschan) in der östlichen Sowjetunion gegründet. Hier sollte Jiddisch als Amtssprache eingeführt werden, jedoch erreichte die jiddischsprachige Bevölkerung nie die Mehrheit. Seit dem Zerfall der Sowjetunion sind die meisten Juden der jüdischen autonomen Oblast nach Israel, Deutschland und in die USA ausgewandert. Jiddisch wird nur noch von einem Bruchteil der Einwohner gesprochen.

Heute gibt es in einigen traditionellen, ultraorthodoxen jüdischen Gemeinden wie zum Beispiel in New York, Kiryas Joel, Montreal, London, Antwerpen und Jerusalem (etwa im Stadtteil Me’a Sche’arim) größere Sprechergruppen, die Jiddisch als Alltagssprache verwenden und an die nächste Generation weitergeben. Neben diesen Sprechern gibt es auch eine kleine säkulare Sprechergemeinschaft, die das Jiddische weiter pflegt.

Bezeichnungen [Bearbeiten]

 

Hirsch David Nomberg, Chaim Zhitlovsky, Schalom Asch, Itzhok Lejb Perez, Abraham Reisen während der Czernowitz-Konferenz (v. r. n. l.), Postkarte
Jiddischsprecher bezeichnen das Jiddische als mamme loschn (מאַמע-לשון, deutsch Muttersprache). Das deutsche Wort Jiddisch ist ein verhältnismäßig neues Kunstwort. Es ist eine Entlehnung aus dem englischen Yiddish, das seinerseits auf das von ostjüdischen Emigranten nach England mitgebrachte jiddische Wort jidisch zurückgeht. Jidisch (oder idisch) bedeutet im Jiddischen sowohl „jüdisch“ als auch „jiddisch“. Ältere Bezeichnungen, die oft abwertend verwendet wurden, sind Judendeutsch, Jüdisch-Deutsch und Jargon.

Im Englischen ist das Wort Yiddish seit 1886 belegt, so zuerst in dem Roman Children of Gibeon von Walter Besant mit der Erklärung, dass es sich um eine aus Polnisch, Deutsch und Hebräisch gemischte Sprache handele, bald darauf dann aber auch durch gelegentliche Verwendung in sprachwissenschaftlichen Publikationen wie Alexander Harkavys Dictionary of the Yiddish Language (New York 1898) und Leo Wieners History of Yiddish Literature in the Nineteenth Century (London & New York 1899), wobei auch in solchen Fachpublikationen bis ins 20. Jahrhundert ältere Bezeichnungen wie Judaeo-German zunächst noch vorherrschend blieben.

Bei der Anglisierung des jiddischen Wortes jidisch wurde der Konsonant „d“ verdoppelt, um den Monophthong -i- zu erhalten und der sonst im Englischen naheliegenden Aussprache -ei- vorzubeugen. Mit kurzer erster Silbe und Doppelkonsonant wurde das Wort dann aus dem Englischen in der Form „jiddisch“ auch ins Deutsche übernommen, wo es zuerst in Gustav Karpeles’ Geschichte der jüdischen Literatur (Berlin 1909, dort neben „jüdisch-deutsch“) und dann in Solomon Birnbaums Aufsatz Jiddische Dichtung (1913) erscheint. Dabei stand der Anglizismus jiddisch in Konkurrenz nicht nur zu den älteren Bezeichnungen, sondern auch zu der zuweilen aus dem Ostjiddischen direkt ins Hochdeutsche übernommenen Bezeichnung jidisch, wie sie z. B. im Untertitel „Übertragungen jidischer Volksdichtung“ zu der Sammlung Ostjüdische Liebeslieder (Berlin 1920) von Ludwig Strauss erscheint.

Es ist maßgeblich der Initiative Birnbaums und dem Einfluss seiner Praktischen Grammatik der Jiddischen Sprache (1918) sowie seiner zahlreichen Fachpublikationen und Lexikonartikel zuzuschreiben, dass sich Jiddisch (und auch im Englischen Yiddish) in der Folgezeit als fachsprachlicher Terminus etablierte, als Bezeichnung zunächst vorwiegend für das neuostjiddische, und dann umfassend für sämtliche Sprachperioden unter Einbeziehung des westlichen Jiddisch.

Schrift [Bearbeiten]

 

„Bovo d’Antona“, später „Bove-Buch“ oder „Bove-Majße“ von Elia Levita von 1507/1508, erste gedruckte Ausgabe von 1541: Das erste vollständig erhaltene nicht religiöse jiddische Buch. Auf den Titel geht der volksetymologisch umgedeutete Ausdruck „bobe-majße“, erfundene Geschichte, wörtlich „Großmutter-Geschichte“, zurück.
Zur Schreibung des Jiddischen wird das – dafür angepasste – hebräische Alphabet benutzt (Aljamiado-Schreibweise). Umschriften in lateinischer Schrift gibt es mehrere, die aber problemlos ineinander übergeführt werden können. International verbreitet ist die vom YIVO in New York entwickelte Transkription, die teilweise auf der englischen Schreibweise basiert.

Angepasste hebräische Schriftzeichen [Bearbeiten]
Zeichen Transkription nach YIVO Name
א shtumer alef
אַ a pasekh alef
אָ o komets alef
ב b beys
בֿ v veys
ג g giml
ד d daled
ה h hey
ו u vov
וּ u melupm vov
ז z zayen
ח kh khes
ט t tes
י y, i yud
יִ i khirek yud
כּ k kof
כ ך kh khof, langer khof
ל l lamed
מ ם m mem, shlos mem
נ ן n nun, langer nun
ס s samekh
ע e ayin
פּ p pey
פֿ ף f fey, langer fey
צ ץ ts tsadek, langer tsadek
ק k kuf
ר r reysh
ש sh shin
שׂ s sin
תּ t tof
ת s sof
Jiddische Sonderzeichen (Digraphen) [Bearbeiten]
Zeichen Transkription nach YIVO Name
װ v tsvey vovn
זש zh zayen-shin
טש tsh tes-shin
ױ oy vov yud
ײ ey tsvey yudn
ײַ ay pasekh tsvey yudn
Phonetik [Bearbeiten]

Jiddisch hat mit vielen ober- und besonders mitteldeutschen Dialekten zahlreiche Lautveränderungen gemeinsam: Entrundung der Hochzungenvokale mhd. ö > e, ü > i (bspw. mhd. jüde > jidd. jid), die Diphthongierung von mhd. bzw. regional-frühnhd. langem ê > ej, ô > ou bzw. im Ostjiddischen weiter > /oi/, œ (> ê) > ej (bspw. mhd. gên > jidd. gejn, mhd. brôt > jidd. brojt, mhd. schœne > jidd. schejn) oder die Verdumpfung des langen Zentralvokals mhd. â > ô/û (bspw. mhd. schlâfen > nordostjidd. schlofn, südjidd. schlufn).[3]

Umlaute [Bearbeiten]
ä → e
ö → e
ü → i
Diphthonge [Bearbeiten]
eu → oj (dargestellt durch Wow + Jud)
au → oj (ebenso)
ai → aj (dargestellt durch Doppeljud mit Komez-Vokalisation)
ei → ej (dargestellt durch Doppeljud)
Grammatik [Bearbeiten]

Die jiddische Grammatik ist grundsätzlich deutschbasiert (wobei sie in der Regel näher bei den deutschen Mundarten als bei der deutschen Standardsprache liegt), weist aber auch zahlreiche Eigenentwicklungen auf und zeigt verschiedene slawische und gewisse hebräische Einflüsse.

Substantiva [Bearbeiten]
Die Flexion der Substantiva weicht von derjenigen der deutschen Standardsprache stark ab. So sind Beugung mittels Umlautung sowie mittels {-n} viel verbreiteter als im Standarddeutschen (ersteres entspricht aber teilweise den Verhältnissen in den deutschen Mundarten); umgekehrt ist die deutsche Endung {-e} im Jiddischen unbekannt. Sodann kennt Jiddisch mit den Endungen {-ß} bzw. {-eß} und {-im} Morpheme, die dem Hebräischen entlehnt sind. {-im} kommt fast nur bei hebräischstämmigen Substantiven vor, erstere beide sowohl bei hebräisch- wie auch bei deutsch- und slawischstämmigen Wörtern. Die Schreibung von {-(e)ß} erfolgt bei hebräischstämmigen Wörtern nach der hebräischen, bei deutsch- und slawischstämmigen Wörtern nach der phonologischen Orthographie. Die Pluralbildung mittels {-im} ist sodann in der Regel mit Vokaländerung, manchmal mit konsonantischer Veränderung sowie oft mit Betonungsverschiebung von der ersten auf die mittlere Silbe verbunden.

Beispiele, die das oben Gesagte sowie die Unterschiede zwischer deutscher und jiddischer Flexion demonstrieren (Singular – Plural):

schweßter (dt. Schwester) – schweßter
tisch (dt. Tisch) – tischn
tog (dt. Tag) – teg
gortn (dt. Garten) – gertner
schtekn (dt. Stecken) – schteknß oder mume (dt. Tante) – mumeß; hebräischstämmig: chaje (dt. Tier) – chajeß; slawischstämmig: nudnik (dt. Langweiler) – nudnikeß
pojer (dt. Bauer) – pojerim; hebräischstämmig: neß (dt. Wunder) – nißim oder schetech (dt. Gegend) – schtochim oder malbesch (dt. Kleidungsstück) – malbúschim
Diminutivum I (Verkleinerung) [Bearbeiten]
Hier wird im Singular {-l} hebräisch ‏־ל‎ angehängt; der Plural wird mit {-lech} hebräisch ‏־לעך‎ gebildet: jidd. bet (dt. Bett) – Dim. I betl, Plural betlech hebräisch ‏בעט בעטל בעטלעך‎. Wenn möglich, ist Diminuierung mit Umlautung verbunden: hant (dt. Hand) – Dim. I hentl.

Diminutivum II (Imminutiv) [Bearbeiten]
Der Diminutiv II ist eine affektivere Variante des Diminutivs I. Im Singular wird {-ele} hebräisch ‏־עלע‎ angehängt; der Plural mit {-elech} hebräisch ‏־עלעך‎ gebildet: jidd. bet (dt. Bett) – Dim. II betele, Plural betelech hebräisch ‏בעט בעטעלע בעטעלעך‎. Wenn möglich, ist Diminuierung mit Umlautung verbunden: hant (dt. Hand) – Dim. II hentele.

Artikel [Bearbeiten]
Der bestimmte Artikel wird nach Genus, Kasus und Numerus flektiert, wobei im Vergleich mit dem Deutschen ein starker Synkretismus stattgefunden hat, vgl.:

Singular
maskulin
der = dt. der (Nom.), z. B. der man der Mann
dem = dt. des (Gen.), dem (Dat.), den (Akk.), z. B. dem manß des Mannes, dem man dem Mann, den Mann
feminin
di = dt. die (Nom. und Akk.), z. B. di froj die Frau
der = dt. der (Gen. und Dat.), z. B. der froj der Frau
neutrum (im Nordostjiddischen unbekannt)
doß = dt. das (Nom. und Akk.), z. B. doß kind das Kind
dem = dt. des (Gen.), dem (Dat.), z. B. dem kindß des Kindes, dem kind dem Kind

Plural
di für alle Genera und alle Kasus, z. B. di mener/frojen/kinder singen die Männer/Frauen/Kinder singen, ich gib doß buch di mener/frojen/kinder ich gebe das Buch den Männern/Frauen/Kindern

Der unbestimmte Artikel, der nur im Singular vorkommt, lautet vor Konsonanten a, vor Vokalen an und wird nicht flektiert: a man, a froj, a kind (dt. ein/einem/einen Mann, eine/einer Frau, ein/einem Kind)

Adjektiva [Bearbeiten]
Die Flexion der Adjektiva unterscheidet sich von den deutschen Regeln grundlegend, indem sie (mit ganz wenigen Ausnahmen) nicht zwischen starker und schwacher Flexion unterscheidet.

Es existieren drei Genera (m, f, n) und 4 Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), ferner im Neutrum teilweise je nach unbestimmten bzw. bestimmten Artikel Unterscheidung zwischen starker und schwacher Flexion. Im Gegensatz zum Deutschen hat überdies ein relativ weitgehender Zusammenfall der verschiedenen Kasusendungen stattgefunden, so dass die Anzahl verschiedener Endungen bedeutend geringer ist. In den Dialekten kommen im Bereich Genus und Kasus sodann bedeutende Abweichungen von der standardjiddischen Regelung vor.

Beispiel:

Nom. mask.: an alter man (dt. ein alter Mann), der alter man (der alte Mann)
Dat. fem.: an alter froj (dt. einer alten Frau, Dativ), der alter froj (dt. der alten Frau, Dativ)
Nom. ntr.: a klejn kind (dt. ein kleines Kind), aber: doß klejne kind (dt. das kleine Kind)
Adverbia [Bearbeiten]
Das Jiddische verfügt wie das Deutsche über eine große Zahl unflektierter Adverbia.

Verb [Bearbeiten]
Das Jiddische kennt wie das Deutsche starke und schwache sowie eine kleine Zahl ganz unregelmäßiger Verben. Dazu tritt bei hebräischstämmigen Verben eine periphrastische Konjugation, die dem Deutschen unbekannt ist. Anders als das Deutsche kennt das Jiddische weder ein Präteritum noch einen Konjunktiv.

Beispiele (Infinitiv – 3. Person Singular Präsens – Partizip Perfekt):

starke Typen:
schrajbn (dt. schreiben) – schrajbt – geschribn
singen (dt. singen) – singt – gesungen
schlofn (dt. schlafen) – schloft – geschlofn

schwache Typen:
machn (dt. machen) – macht – gemacht
redn (dt. reden) – redt – geredt
ßtraschen (dt. drohen) – ßtraschet – geßtraschet

unregelmäßig:
hobn (dt. haben) – hot – gehat
weln (dt. wollen) – wil (Vollverb) / wel (Hilfsverb) – gewolt

periphrastisch:
mojde sajn (dt. zugeben) – is mojde – mojde gewen

Sehr ausgeprägt ist im Jiddischen sodann ein slawisch inspiriertes System von Aktionsarten. Diese Unterscheidungen sind vor allem im Jiddischen, das in slawischer Umgebung gesprochen wird, lebendig; im amerikanischen Jiddisch geht sie rasch verloren.

Beispiele:

schrajbn = dt. schreiben, als Zustand – onschrajbn = etwas schreibend abschließen: ich schrajb a buch = dt. ich bin daran, ein Buch zu schreiben, aber: ich hob ongeschribn a buch = das Buch ist fertig geschrieben
intereßirn sich = dt. sich interessieren, als Zustand – farintereßirn sich = dt. Interesse an etwas gewinnen
Das Perfekt wird standardjiddisch mit sajn (dt. sein) oder hobn (dt. haben) gebildet: er is gegangen, er hot gemacht, wobei die Verteilung der Hilfsverben vom (Nord- und Ost-)Deutschen abweichen kann: er is geschtanen, si is geschlofn (dt.: er hat gestanden, sie hat geschlafen). Das Nordostjiddische (ursprünglich Litauen und Weißrussland) kennt nur hobn als Hilfsverb.

Der jiddische Konditional wird mit wolt (ursprünglich zu weln, dt. wollen gehörig) plus Partizip Perfekt gebildet: er wolt geholfn (dt. er würde helfen / er hülfe).

Numeralia [Bearbeiten]
Die Zahlen lateinisch transkribiert (nach Ronald Lötzsch 1992):

1 ejnß
2 zwej
3 draj
4 fir
5 finf
6 sekß
7 sibn
8 acht
9 najn
10 zen
11 elf
12 zwelf
ab 13 drajzn läuft es analog zum Deutschen -zn; beachte aber: 14 ferzn; 15 fufzn

Ab 20 zwanzik kommt -unzwanzik

Nach 30 drajßik kommt -zik; beachte aber: 40 ferzik; 50 fufzik; 70 sibezik

100 hundert; 1000 tojsnt; 1000000 miljon

928.834 najn hundert acht un zwanzik tojsnt acht hundert fir un drajßik

Konjunktionen [Bearbeiten]
Es gibt im Jiddischen nur eine sehr überschaubare Anzahl an Konjunktionen, die wie im Deutschen beiordnend oder unterordnend sein können. Hiervon sind einige slawischen oder hebräischen Ursprungs. Die Konjunktionen haben keinen Einfluss auf den Modus oder die Stellung des Verbs.

nebenordnende Konjunktionen [Bearbeiten]
Deutsch Transkription Jiddisch
und un ‏אוּן‎
oder oder ‏אָדער‎
aber ober ‏אָבער‎
denn wajl ‏װײַל‎
unterordnende Konjunktionen [Bearbeiten]
Deutsch Transkription Jiddisch
obwohl hagam (hebr.)/chotsch (sl.) ‏הגם / כאָטש‎
dass as ‏אַז‎
ob ojb ‏אָויב‎
damit bechdej (hebr.) ‏בכדי‎
sowohl … als auch hen … hen (hebr.) ‏הן … הן‎
entweder … oder oder … oder ‏אָדער … אָדער‎
Jiddische Kultur [Bearbeiten]

 

„Jiddischer arbeiter“, „l’Ouvrier juif“, Paris. Die Zeitung wurde 1911 gegründet, 1914 stellte sie ihr Erscheinen ein.
Poster in Jiddisch und Polnisch für „Tewje der Milchiker“ (Tewje der Milchmann) von Scholem Alejchem, Wilna
Jiddisches Poster, Erster Weltkrieg (1917), USA, Titel: spajs wird gewinen di krig!
Jiddische Poster in Brooklyn, New York, 2009
Weltweit gibt es rund 100 jiddischsprachige Zeitungen, Zeitschriften und Radioprogramme. Zu den Publikationen gehören beispielsweise „Dos Jidisze Wort“ (Polen), „Forwerts“ (USA), „Algemeiner Journal“ (USA), „Der Yid“ (USA), „Der Blat“ (USA), „Lebnsfragn“ (Israel) oder der „Birobidshaner Schtern“ (Russland).

Jiddische Literatur [Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Jiddische Literatur
Frühe überlieferte jiddischsprachige Zeugnisse sind religiöse Texte, das älteste vollständig erhaltene nicht religiöse jiddische Buch wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfasst. Die Anfänge der jiddischen Literatur lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Epen über Gestalten der Bibel, Heldenlieder aus germanischen Sagenkreisen, Fabeln, Volksbücher, religiöse Lern- und Gebrauchsliteratur oder die von den Abenteuererzählungen der italienischen Renaissance inspirierten Versromane des Elia Levita (1469–1549) zeigen die Vielfalt der älteren jiddischen Literatur. Eine weitere Blüte erlebte die jiddische Literatur seit dem 19. Jahrhundert. Die moderne jiddische Literatur entstand vor allem in Osteuropa. Als ihre Klassiker gelten Scholem-Jankew Abramowitsch, bekannt als „Mendele Mojcher-Sforim“ (1836–1917), Sholem Aleichem (1859–1916) und I.L. Peretz (1852–1915). In der Zeit zwischen den Weltkriegen konnte die literarische Produktion im Jiddischen mit der jeder anderen Weltsprache mühelos Schritt halten. Bedeutende literarische und künstlerische Zentren waren in jener Zeit Warschau, Wilna (heute: Vilnius) und New York. Zu den bedeutendsten jiddischen Autoren der Nachkriegszeit gehören der Dichter Avrom Sutzkever (1913–2010) und der Erzähler und Schriftsteller Isaac Bashevis Singer (1902–1991), dem 1978 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde.

Das „Bove-Buch“ von Elia Levita von 1507/1508, erste gedruckte Ausgabe 1541, ist das älteste vollständig erhaltene nicht religiöse jiddische Buch.
Glikl bas Judah Leib (1646–1724) schrieb die erste erhaltene Autobiografie einer Frau in Deutschland. Ihre in westjiddischer Sprache geschriebenen Memoiren wurden inzwischen in viele Sprachen übersetzt.
Mendele Mojcher Sforim (1836–1917), auch „Mendele der Buchhändler“ genannt, gilt als Begründer der neuen jiddischen Literatur. Er zeichnete humorvoll und realistisch das Bild des ostjüdischen Milieus.
Jizchok Lejb Perez (1851–1915), Autor von Kurzgeschichten und Romanen, Gründer der Zeitschrift „Jiddische Bibliothek“ und Förderer der jiddischen Literatur und des jiddischen Theaters in Warschau
Scholem Alejchem (eigentlich Salomon Rabinovic, 1859–1916) gilt als einer der größten jiddischen Autoren. Seine „Geschichten Tewjes, des Milchhändlers“ wurden – nicht zuletzt durch das Musical „Anatevka“ – weltberühmt.
David Edelstadt (1866–1892), Dichter
Mordechaj Gebirtig (1877–1942), Autor und Komponist von jiddischen Liedern
Pinchas Kahanowitsch, literarisches Pseudonym Der Nister (1884–1950), vor allem als Autor des Epos „Die Gebrüder Maschber“ bekannt.
Jizchak Katzenelson (1886–1944), bekannt durch seine in einem Konzentrationslager geschriebene, beklemmende Ballade „Dos lid vunm ojsgehargetn jidischen folk“ („Das Lied vom ausgerotteten jüdischen Volk“)
Israel Joshua Singer (1893–1944), Autor von Novellen
Itzig Manger (1901–1969) beschreibt in seinen Gedichten und Balladen die Welt des osteuropäischen, nicht assimilierten Judentums, die mit der Vernichtung im Holocaust 1942–1945 untergegangen ist.
Isaac Bashevis Singer (1902–1991) erhielt 1978 den Nobelpreis für Literatur. Sowohl in seiner Nobel Lecture[4] als auch in seiner Banquet Speech[5] befasste er sich mit der besonderen Bedeutung, die die jiddische Sprache für ihn und sein Schreiben hat. Seine Familienromane und Kurzgeschichten schildern das Leben der Juden in Osteuropa im Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne. Seine Kurzgeschichte Yentl, the Yeshiva Boy wurde 1983 von Barbra Streisand als Yentl verfilmt.
Rajzel Zychlinski (1910–2001), Lyrikerin.
Hirsch Reles (23. April 1913, Tschaschniki – 18. September 2004, Minsk)
Hirsch Glik (1922–1944), Dichter und Partisan aus Vilnius, bekannt durch die jiddische Partisanenhymne „Sog nit kejnmol, as du gejsst dem leztn Weg“ („Sage niemals, dass du den letzten Weg gehst“)
Chava Rosenfarb, Chawa Rosenfarb (1923–2011), geboren in Łódź, lebte und starb in Kanada. Sie verfasste seit 1939 eine „Lodzer Trilogie“, etwa 1000 Seiten, die zuerst auf Englisch erschien („The tree of life“), 1972 in der Originalsprache und seit 2007 auch auf Französisch L’arbre de vie.
Olexander Bejderman (* 1949), Dichter aus Odessa
Boris Sandler (* 1950 in Belts, Bessarabien), Novellen und Romane
Jiddisches Theater [Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Jiddisches Theater
Jiddischer Film [Bearbeiten]
Aus dem jiddischen Theater entwickelte sich in Europa und den USA der jiddische Film. Seine Blütezeit erlebte er in den 1920er- und 1930er Jahren in Europa und anschließend in den USA bis etwa in die 1950er-Jahre. Insgesamt entstanden so etwa 100 bis 200 Spielfilme. Zu den bekanntesten Regisseuren jiddischer Filme zählen Sidney M. Goldin und Joseph Seiden. Die Darsteller kamen häufig von bekannten jiddischen Theatergruppen. Mitunter waren auch Filmschaffende am jiddischen Film beteiligt, die auch in der regulären Filmindustrie Hollywoods bekannt waren. So etwa die Schauspielerin Molly Picon und der Regisseur Edgar G. Ulmer.

Bekannte jiddische Filme sind, nebst anderen:

Der Dibbuk, 1937 produziert nach dem gleichnamigen populären Theaterstück von Salomon An-Ski, Polen 1937, mit Abraham Morewski, Ajzyk Samberg, Lili Liliana, Mojżesz Lipman, Leon Liebgold, Regie: Michał Waszyński.
Ost und West, Österreich 1923, mit Molly Picon, Jacob Kalich, Regie: Sidney M. Goldin.
A Briwele der Mamen, Polen 1938 mit Lucy Gehrman, Alexander Stein, Izchak Grundberg, Gertrude Bulman, Regie: Joseph Grein.
Jidl mitn Fidl, Polen 1936, nach einem Buch von Konrad Tom, mit Molly Picon, Simche Fostel, Leon Liebgold, Max Bozyk.
Tewje der Milchiker, USA 1939 mit Maurice Schwarz, Rebecca Weintraub, Miriam Riselle, Paula Lubelsky, Regie: Maurice Schwarz. Siehe auch Anatevka.
Iwan und Abraham, Weißrussland 1993, Regie: Yolande Zaubermann, mit Aleksandr Jakowlew und Roma Alexandrowitsch.
Die Internet Movie Database nennt Anfang 2006 174 internationale Filme mit jiddischem Dialog. In Wien existierte in den 1920er Jahren eine unabhängige jiddische Filmszene. Der einzige in Deutschland produzierte Film in jiddischer Sprache ist Herbert B. Fredersdorfs von Holocaust-Überlebenden handelnder Spielfilm Lang ist der Weg (1948).

Jiddische Musik [Bearbeiten]
→ Hauptartikel: Jüdische Musik
Jiddische Lieder gibt es auf vielen Tonträgern. Ihre Texte sind in der Regel Lyrik. Inhalte wie Volks-, Hochzeits-, Beerdigungs- und Klagelieder. Zu den Liedarten und bekannten Interpreten siehe unter Klezmer.

Elsbeth Janda, R. Max Meyer Sprecher: Lieder aus dem Ghetto. Fischer Frankfurt/M. und Ehrenwirth Verlag, München, 1962
Teilband Jiddische Lieder 1970, 1964 auch Nederl.
In den letzten Jahrzehnten erlebten Klezmer-Musik und andere traditionelle jüdische oder jiddische Musik eine Renaissance. In jüngerer Zeit erlangte der Klezmer, beeinflusst von Jazz und anderen Musikrichtungen, mit Bands wie The Klezmatics auch eine moderne Spielart. Der spielerische Umgang mit dem umfangreichen Erbe jüdischer (und jiddischer) Musik- und Gesangstradition brachte mitunter auch kuriose Ergebnisse hervor, wie etwa die Veröffentlichungen des kanadischen Produzenten und DJs socalled zeigen, der unter anderem Hip Hop-Versionen traditioneller Lieder mit bekannten jüdischen Musikern der Gegenwart, darunter der Sänger Theodore Bikel, neu eingespielt hat.

Erforschung und Sprachpflege [Bearbeiten]

Institutionen:

YIVO – Yidisher visnshaftlekher institut, New York
Maison de la Culture Yiddish, Paris
Jiddistik – FB II an der Universität Trier (seit 1990).[6]
Institut für Jüdische Studien der Universität Düsseldorf. Das Institut besteht
aus dem seit 1996 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf existierenden Lehrstuhl für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur (Univ.-Prof. Dr. Marion Aptroot)
und dem Fach Jüdische Studien, das zum Wintersemester 2002/2003 von der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg nach Düsseldorf verlagert wurde (2003: Univ.-Prof. Dr. Dagmar Börner-Klein, Univ.-Prof. Dr. Michael Brocke, Univ.-Prof. Dr. Stefan Rohrbacher). Dies gilt als eine europaweit einmalige enge Verbindung von ‚Jüdische Studien‘ mit ‚Jiddistik‘; Düsseldorf gilt seit der Verlagerung als der gewichtigste universitäre Standort im Bereich der Jüdischen Studien in Deutschland.[7]
Das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien ist ein An-Institut der Universität Potsdam. Es ist maßgeblich am Studiengang „Jüdische Studien/Jewish Studies“ beteiligt. Seine Forschungsinteressen gelten der Geschichte, Religion und Kultur der Juden und des Judentums in den Ländern Europas. Das Moses Mendelssohn Zentrum hat eine öffentlich zugängliche Spezialbibliothek mit etwa 50.000 Bänden.
Die Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) ist eine 1979 gegründete private, staatlich anerkannte Hochschule in Heidelberg. Sie wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragen und durch Bund und Länder finanziert. Sie kooperiert eng mit der Ruprecht-Karls-Universität und steht Bewerbern jeder Konfession offen.
Sprachkurse [Bearbeiten]
Jiddische Sprachkurse finden an vielen Universitäten und sonstigen Institutionen statt, so in New York, Paris, Vilnius, Warschau, Tel Aviv, Jerusalem und Birobidschan.

New York: Das Uriel Weinreich Program in Yiddish Language, Literature und Culture hat die längste Tradition. Es findet jeden Sommer statt, ist ein Gemeinschaftsprojekt von YIVO und Bard College (ursprünglich YIVO und Columbia University) und dauert sechs Wochen.[8]
Paris: Die Parizer zumerkursn fun yidisher shprakh un literatur finden jeden dritten Sommer im „Parizer yidish-tsenter“ statt und dauern drei Wochen.[9]
Vilnius: Im Rahmen des Summer Program in Yiddish Language and Literature des Vilnius Yiddish Institute an der Universität Vilnius finden alljährlich vierwöchige Jiddisch-Kurse statt, wobei mit Gesangs-, Musik-, Tanz- oder Literaturkursen die jüdische Kultur nahegebracht wird.[10] Daneben gibt es Exkursionen über die jüdische Geschichte der Stadt.[11]
Warschau: Das vom Jiddischen Kulturzentrum jeweils im Juli durchgeführte International Summer Seminar in Yiddish Language and Culture dauert drei Wochen und legt ein besonderes Gewicht auf Geschichte und Gegenwart des polnischen Judentums.[12]
Tel Aviv: Das Naomi Prawer Kadar International Yiddish Summer Program findet jeden Juni/Juli am „The Goldreich Family Institute for Yiddish Language, Literature, and Culture“ statt und dauert ebenfalls vier Wochen.[13]
Jerusalem: „Beit Ben Yehuda – International Meeting Centre“ bietet in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Jiddisch an der Hebräischen Universität und dem Kulturzentrum von Jung Jidisch Winterkurse an.[14]
In Birobidschan, der Hauptstadt der Jüdischen Autonomen Region, führt das „Far Eastern Research Center for Jewish Culture and Yiddish“ seit 2007 Jiddischkurse durch.[15]
Lesebeispiel [Bearbeiten]

Das nachfolgende Beispiel ist der Beginn des ersten Buches Moses, Griechisch „Genesis“ (deutsch Schöpfung), hebräisch nach dem ersten Wort „Bereschit“, jiddisch „Bereyschis“ (deutsch am Anfang) genannt:

moderne jiddische Übersetzung[16] moderne jiddische Übersetzung in YIVO-Transkription deutsche Einheitsübersetzung[17]
אין אָנהײב האָט גאָט באַשאַפֿן דעם הימל און די ערד 1
און די ערד איז געװען װיסט און לײדיק, און פֿינצטערניש איז 2 געװען אױפֿן געזיכט פֿון תּהום, און דער גײַסט פֿון גאָט האָט
געשװעבט אױפֿן געזיכט פֿון די װאַסערן
האָט גאָט געזאָגט: זאָל װערן ליכט. און עס איז געװאָרן ליכט 3
און גאָט האָט געזען דאָס ליכט אַז עס איז גוט; און גאָט האָט 4
פֿאַנאַנדערגעשײדט צװישן דעם ליכט און צװישןדער פֿינצטערניש 5
און גאָט האָט גערופֿן דאָס ליכט טאָג, און די פֿינצטערניש האָט ער גערופֿן נאַכט. און עס איז געװען אָװנט און עס איז געװען פֿרימאָרגן, אײן טאָג

1 In onheyb hot got bashafn dem himl un di erd.
2 Un di erd iz geven vist un leydik, un fintsternish iz geven oyfn gezikht fun tehom, un der gayst fun got hot geshwebt oyfn gezikht fun di vasern.
3 Hot got gezogt: zol vern likht. Un es iz gevorn likht.
4 Un got hot gezen dos likht az es iz gut; un got hot fanandergesheydt tsvishn dem likht un tsvishn der fintsternis.
5 Un got hot gerufn dos likht tog, un di fintsternish hot er gerufn nakht. Un es iz geven ovnt, un es iz geven frimorgn, eyn tog. 1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
4 Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis
5 und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.
Siehe auch [Bearbeiten]

Jiddismus, Lehnwörter
Verwandte Sprachen: Judezmo, Jenisch, Manisch, Masematte, Mattenenglisch, Rotwelsch
Aljamiado – Schreibung einer nicht-hebräischen Sprache mit hebräischem Alphabet
Ladino (Sprache) – Judenspanisch wird ebenfalls mit hebräischen Buchstaben geschrieben
Ma’assebuch – eine Sammlung von mündlich überlieferter Literatur
Literatur [Bearbeiten]

Allgemeine Einführungen
Marion Aptroot, Roland Gruschka: Jiddisch. Geschichte und Kultur einer Weltsprache. C.H. Beck Taschenbuch, München 2010, ISBN 978-3-406-52791-3 [18]
Marion Aptroot, Holger Nath: Einführung in die jiddische Sprache und Kultur. Buske, Hamburg 2002, ISBN 3-87548-249-2
Jean Baumgarten: Le yiddish. Presse universitaire de France, Paris 1990 (Que sais-je? 2552), ISBN 2-13-044193-9 (französisch; eine der besten Einführungen, die es gibt)
Otto F. Best: Mame-Loschen. Jiddisch – eine Sprache und ihre Literatur. Insel, Frankfurt am Main 1988
Arnold Groh: Jiddisch Wort für Wort, Kauderwelsch Band 110, Reise Know-How Verlag GmbH, Bielefeld 1997, ISBN 3-89416-248-1
Salcia Landmann: Jiddisch: das Abenteuer einer Sprache. Ullstein, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-548-34994-3 (1. Aufl. 1962)
Leo Rosten: Jiddisch: eine kleine Enzyklopädie. dtv, München 2003, ISBN 3-423-24327-9
Josef Weissberg: Jiddisch. Eine Einführung. Peter Lang, Bern, Frankfurtam Main, New York, Paris 1988, ISBN 978-3-261-04069-5
Grammatiken
Salomon Birnbaum: Grammatik der Jiddischen Sprache. Helmut Buske Verlag, Hamburg 19885 (1. Auflage: Wien und Leipzig 1918); ISBN 3-87118-874-3
Solomon Birnbaum: Yiddish: a survey and a grammar. Manchester Univ. Pr., Manchester 1979, ISBN 0-7190-0769-0 (englisch)
Dovid Katz: Grammar of the Yiddish language. Duckworth, London 1987, ISBN 0-7156-2161-0 (englisch)
William B. Lockwood: Lehrbuch der modernen jiddischen Sprache: mit ausgewählten Lesestücken. Buske, Hamburg 1995 (Bd. 1–2; trotz des Titels als Grammatik angeordnet)
Judl Mark: gramatik fun der jidischer klal-schprach. alweltlecher jidischer kultur-kongreß, New York 1978 (jiddisch)
Bernard Vaisbrot: Grammaire descriptive du yidiche contemporain. Edition Suger, Paris 2012 (französisch).
Wörterbücher
Alexander Harkavy: jidisch-englisch-hebreischer werterbuch. Yiddish-Englih-Hebrew Dictionary. iberdruk fun der tswejter fargreßerter uflage fun 1928, mit a najem arajnfir fun Dovid Kaz [Katz]. New York 19885 (1. Auflage. 1925)
Juda A. Jofe, Judl Mark: grojßer werterbuch fun der jidischer schprach, Bde. 1 ff. New York 1961. (jiddisch; bislang vier Bände, nicht abgeschlossen)
Alfred Klepsch: Westjiddisches Wörterbuch. Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-73060-9
Ronald Lötzsch: Jiddisches Wörterbuch. Duden, Mannheim 1992, ISBN 3-411-06241-X
Jizchok Niborksi (mit der mithilf fun Schimen Neuberg): werterbuch fun loschn-kojdesch-schtamike werter in jidisch. Medem-Bibliotek, Paris 1987, ISBN 2-9511372-0-6 (jiddisch; Wörterbuch über die hebräischstammigen Wörter im Jiddischen), erweiterte Neuauflage ebd. 2012.
Nochem ßtutschkow: der ojzer fun der jidischer schprach. YIVO, New York 1991 (Nachdruck der Auflage von 1950), ISBN 0-914512-46-3 (jiddisch; DER Thesaurus)
Uriel Weinreich: Modern English-Yiddish Yiddish-English Dictionary. YIVO, New York 1990, ISBN 0-914512-45-5 (englisch)
Sprachatlanten
The Language and Culture Atlas of Ashkenazic Jewry / der jiddischer schprach- und kultur-atlaß. Hg. von Vera Baviskar, Marvin Herzog u. a. Bd. 1 ff. Max Niemeyer, Tübingen 1992 ff.
Florence Guggenheim-Grünberg: Jiddisch auf alemannischem Sprachgebiet. 56 Karten zur Sprach- und Sachgeographie. Juris Druck + Verlag, Zürich 1973, ISBN 3-260-03438-2
Dovid Katz: Litvish. An Atlas of Northeastern Yiddish. In Bearbeitung.
Verschiedenes
Jacob Allerhand: Jiddisch. Ein Lehr- und Lesebuch. Mandelbaum, Wien 2002, ISBN 3-85476-055-8
Salomon Birnbaum: Die jiddische Sprache: ein kurzer Überblick und Texte aus acht Jahrhunderten. Buske, Hamburg 1997 (1. Aufl. ebd. 1974), ISBN 3-87548-098-8
Ewa Geller: Warschauer Jiddisch. Niemeyer, Tübingen 2001, ISBN 3-484-23146-7
Marvin Herzog: The Yiddish Language in Northern Poland. Its geography and history. Indiana Univ., Bloomington und Mouton & Co., The Hague 1965.
Dovid Katz: Zur Dialektologie des Jiddischen. In: Werner Besch u. a. (Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung; W. de Gruyter, Berlin 1983, Halbband 2, S. 1018–1041 ISBN 978-3-11-009571-5
Dovid Katz: Words on Fire. The Unfinished Story of Yiddish. Basic Books, New York 2004, ISBN 0-465-03728-3
Dov-Ber Kerler: The Origins of Modern Literary Yiddish. Clarendon Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-815166-7 (über die Ablösung der westjiddischen durch die ostjiddische Druckersprache und damit über die Grundlagen des heutigen Standardjiddischen)
Ulrike Kiefer: Gesprochenes Jiddisch. Textzeugen einer europäisch-jüdischen Kultur. Max Niemeyer, Tübingen 1995 (Beiheft zum Language and Culture Atlas of Ashkenazic Jewry, Bd. 1), ISBN 3-484-73101-X
Matthias Mieses: Die Entstehungsursache der jüdischen Dialekte. R. Löwit, Wien 1915, Hamburg: Helmut Buske, 1979, Nachdr. d. Ausg. Wien 1915, ISBN 3-87118-392-X
Matthias Mieses: Die jiddische Sprache: Eine historische Grammatik des Idioms der integralen Juden Ost- und Mitteleuropas. B. Harz, Berlin 1924
Timo Obergöker: Erinnerungen von jenseits des Ghettos. Jiddisch in der französischen Literatur nach 1945, in: Fernand Höhner & Susanne Gramatzki, u. a. Hgg.: Trennstrich oder Brückenschlag. Übersetzen als literarisches und linguistisches Phänomen. Akten des 20. Forums Junge Romanistik 2004, Romanistischer Verlag, Bonn 2009
Gertrud Reershemius: Die Sprache der Auricher Juden. Zur Rekonstruktion westjiddischer Sprachreste in Ostfriesland. Harrassowitz, 2007, ISBN 978-3447056175.
Bettina Simon: Jiddische Sprachgeschichte: Versuch einer neuen Grundlegung. Jüdischer Verlag, Frankfurt 1988, überarb. Fassung Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 1999
Sol Steinmetz: A Century of Yiddish in America. Yiddish and English. University of Alabama Press, Alabama 1986 (unter anderem über den Einfluss des Jiddischen auf das Englische Nordamerikas)
Max Weinreich: Geschichte fun der jidischer schprach, bagrifn, faktn, metodn. 4 Bde, YIVO, New York 1973. − Englische Übersetzung: History of the Yiddish Language, Chicago 1980 und New Haven 2008.
Paul Wexler: Two-tiered relexification in Yiddish. (The Jews, Sorbs, Khazars and the Kiev-Polessian dialects). Mouton de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017258-5
Weblinks [Bearbeiten]

Commons: Jiddisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikipedia auf Jiddisch
Wiktionary: Jiddisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Jiddische Sprichwörter – Zitate
Wikisource: Jiddische Wörterbücher – Quellen und Volltexte
Jiddisch Lautschrift (Wiktionary)
Allgemein
Abteilung für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur am Institut für Jüdische Studien der Universität Düsseldorf
Jiddistik im Fach Germanistik an der Universität Trier
Hörprobe in Jiddisch (New York) und Vergleich mit anderen Germanischen Sprachen
Chaim Frank: Jiddisch: Die Mameloschn. Eine Sprache, ihr historischer und kultureller Hintergrund. (Vortrag, 1997)
Karl Veitschegger: Jiddisches im Deutschen
Yiddish Sources: Academisches portal/Linksammlung für Jiddische Studien mit Bibliographie. Teil von WWW Virtual Library History Central Catalogue
Nachrichtensendung auf Jiddisch als Hörbeispiel
Bibliotheca Iiddica Jiddische Literatur vom 13. bis zum 20. Jahrhundert
Sendungen auf Jiddisch von Radio SBS (Australien)
Forum for Yiddish Literature and Yiddish Language (zweispr. Engl.-Jidd.)
Steven Spielberg Digital Yiddish Library
Sammlung Jiddischer Drucke vom 16. bis zum Beginn des 20 Jahrhunderts
Transkription und Typographie
Di jidische Schreibmaschinke Jiddisch Textkonverter
Transkription jiddischer Texte in hebräischer Schrift in eine deutsche Umschrift
Jiddische Tastatur online
Einzelnachweise [Bearbeiten]

↑ Jiddisch auf Ethnologue
↑ In jüngerer Zeit vertritt Paul Wexler (2002) die der herkömmlichen Forschungsmeinung widersprechende These, dass das Ostjiddische keine germanische Sprache, sondern durch Relexifizierung slawischer Sprachen entstanden sei: In einer ersten frühen Phase durch deutsche und hebräische Relexifizierung des Oberen Sorbischen, und in einer zweiten Phase während des 15./16. Jahrhunderts durch deutsche, hebräische und jiddische Relexifizierung des Ostslawischen in der Ukraine und in Weißrussland.
↑ Salomon Birnbaum: Die jiddische Sprache. Hamburg 1974, 1986, 1997.
↑ Nobel Lecture vom 8. Dezember 1978, die letzten beiden Absätze
↑ Banquet Speech vom 10. Dezember 1978
↑ [http://www.uni-trier.de/index.php?id=982 uni-trier.de: „Die Verankerung der Jiddistik an einer deutschen Universität im Rahmen der Germanistik hat ihre Berechtigung: während die Forschung außerhalb Deutschlands (insbesondere in Jerusalem, Tel Aviv, New York) sich in erster Linie der ostjiddischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts und den noch gesprochenen jiddischen Mundarten widmet, konzentriert sich die Jiddistik in Deutschland auf Gebiete, für deren Erforschung die Kenntnis des Deutschen und der deutschen Sprachgeschichte unumgänglich ist, nämlich auf die jiddische Sprache und Literatur innerhalb des deutschen Sprachgebiets – das sogenannte Westjiddische – von den Anfängen im Mittelalter bis zum Untergang in der Folge der Aufklärung sowie auf die Reste, die in der deutschen Gegenwartssprache noch lebendig sind. Forschungsschwerpunkte bilden die historische Grammatik, Semantik, Lexikographie, Edition älterer Texte, die Kontrastierung der jiddischen und deutschen Sprachgeschichte, die jiddisch-deutschen Sprachbeziehungen und die Wissenschaftsgeschichte der Jiddistik.“
http://www.uni-duesseldorf.de : Jahrbuch 2003
↑ Uriel Weinreich Program
↑ Parizer zumerkursn fun yidisher shprakh un literatur
↑ Vilnius Yiddish Institute: Summer Program, abgerufen am 21. Juli 2009
↑ Sprachreise in eine untergegangene Welt, dw-world.de („Sprache“), Robert B. Fishman (EURANET); 7. Januar 2009
↑ International Summer Seminar, Warschau
↑ tau.ac.il International Yiddish Summer Program
http://www.beit-ben-yehuda.org/index.php?id=142
http://www.2all.co.il/web/Sites/yiddishproject/
↑ Breyshis (PDF) Universität Haifa.
↑ Gen 1,1 EU Das Buch Genesis nach der Einheitsübersetzung.
↑ Aptroot, Professsorin für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Roland Gruschka ist dort wissenschaftlicher Mitarbeiter [1]
Ausklappen
Moderne germanische Sprachen
Ausklappen
Varietäten der Deutschen Sprache außerhalb Mitteleuropas
Ausklappen
Jüdische Sprachen
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4028614-9
Kategorien: JiddischJüdische SpracheEinzelspracheGermanische SprachenJüdische Kultur

 

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